Mit Freude für die Stadt und ihre Menschen.

Mein ganz persönlicher Jahresrückblick 2018

31. Dezember 2018

2018 war heftig!
Neuausrichtung meines Amtes, neue Organisationsformen, Digitalisierung, der Ruhestand von „Mister Gartenbau“ und vieles mehr. Doch der Reihe nach….

Aus TDH wird TUG

Als Ergebnis eines Geschäftsoptimierungsprozesses (GPO) wurden städtische Grünthemen, welche auf viele Ämter verteilt waren, bei uns gebündelt. Aus den Technischen Diensten Herrenberg wurde das Amt für Technik, Umwelt, Grün (TUG).

Vom Gemeinderat im April verabschiedet, bekamen wir neben neben dem Aufgabenzuwachs auch personelle Verstärkung. Simone Kreiser in der Planung und Umweltbeauftragter Jürgen Baumer als Abteilungsleiter „Grün“. Neben ihrem fachlichen Wissen sind diese beiden persönlich sowie menschlich ein absoluter Glücksfall und bereichern uns sehr.

Damit verbunden, ein völlig neues Erscheinungsbild. Beschriftung der Fahrzeuge, Facebook- und Blog-Auftritt, dies alles musste in sehr kurzer Zeit umgemodelt werden. Das Ergebnis kann sich sehen lassen:

Das ganze Team im neuen Outfit. Das ganze Team? Finde den Fehler.

„Grün“ wird neu organisiert

Die Kollegen und Kolleginnen aus der Abteilung „Gartenbau“ mussten 2018 einiges verkraften. Gleich im Frühjahr ging unser Gartenbauleiter, Herr Jauch, in seinen verdienten Ruhestand. Er war jahrzehntelang für unser Amt da, hat es stark geprägt. Auch ihm haben wir es zu verdanken, dass man uns was zutraut und letztendlich die Grünthemen der Stadt bei uns gebündelt wurden.

Er ist gemeinsam mit mir zur Baustelle des neuen Schönbuchturms gelaufen. Hieraus ist ein Interview entstanden, welches mich persönlich sehr berührt hat.

Die Stelle von Herrn Jauch hat Rolf Bühler angetreten. Selbst Meister im Bereich Garten- und Landschaftsbau, fiel ihm der Wechsel vom Bauhof nicht schwer. „Back to the Roots“ sozusagen.
Zeitgleich hat Jürgen Baumer neben seiner Funktion als Umweltbeauftragter zusätzlich noch die Abteilungsleitung von „Umwelt und Grün“ übernommen. Ich bin froh, dass mir in diesem, für uns so wichtigen Bereich, mit Jürgen Baumer (Dipl. Forstwirt), Simone Kreiser (Dipl. Landschaftsplanerin) und Rolf Bühler ausgewiesenes Fachpersonal zur Seite steht.

Digital.NewWork.TUG@hbg

Hinter diesem Kürzel verbirgt sich ein Experiment, welches ziemlich einmalig ist in Deutschlands Verwaltungen.

Gemeinsam mit den Jungs von der Abteilung „Bauhof“ haben wir mit der Hochschule für Verwaltung in Ludwigsburg etwas auf den Weg gebracht, worauf wir alle maximal stolz sein können. Wie kam es dazu?

Im Zuge des Programms „Zukunftsfähiges Herrenberg“ gab es eine Mitarbeiterbefragung quer durch alle Verwaltungsbereiche. Als Ergebnis wurde eine „Rangliste“ erstellt, aus welcher jedes Amt entnehmen konnte, in welchen Bereichen der „Kittelbrennfaktor“ am größten ist. In meinem Amt waren die Menschen frustriert, dass sie sich monetär und persönlich nicht weiterentwickeln konnten. Das saß erstmal.

Dass es so ist, war mir schon länger klar. Dass in meiner Organisation viele Könner und Talente sitzen? Auch das wusste ich. Schon 2015 habe ich mir vertieft Gedanken über Führung von Menschen gemacht, wie man aus einem Brief an meine Führungskräfte entnehmen kann: Persönlicher Brief Führungsteam 2015.

Auch die Dokumentation der „Musterbrecher“ sowie Fachliteratur zum Thema haben mich dazu inspiriert, neue Wege zu gehen. Aber wie kann es gelingen, in diesem engen Korsett, welches einem der TVÖD vorgibt, dem Wunsch nach mehr Geld und Weiterentwicklung gerecht zu werden? Die Formel musste heissen: „Mehr Verantwortung, mehr Geld.“

Zusammen mit Frau Prof. Dr. Claudia Schneider und den Jungs vom Bauhof habe wir uns im Frühjahr 2018 gemeinsam auf den Weg gemacht, eine Abteilung meines Amtes in die Selbstorganisation zu entlassen.

Wenn ich sage „WIR“, so muss neben den o.g. Akteuren ganz ausdrücklich Herr OB Sprißler, Herr BM Meigel, das Hauptamt und der Personalrat genannt werden. Sie alle haben sich auf dieses ungewöhnliche Experiment eingelassen und uns bestärkt, diesen neuen Weg zu gehen.

Das Ganze wurde möglich, weil wir eine Meisterstelle nicht nachbesetzt haben und stattdessen diesen Bereich selbstorganisiert führen. Das „eingesparte Budget“ wird auf die „New-Work-Gruppe“ verteilt. Wie das Alles vonstatten ging, wird hier im Blog noch ausführlicher behandelt.

Einen kleinen Einblick gibt unsere Bewerbung zum „change congress berlin„. Als einziger Teilnehmer einer „Verwaltung“ bekamen wir hier die Chance, unser Projekt vorzustellen. Das Publikum waren Geschäftsführer und Verlage, kurz: eher Akteure aus dem privatwirtschaftlichen Bereich. Und dann wir mit einem Thema aus dem „Bauhof“-Bereich. Die Resonanz war überwältigend.

Von Agenturen oder Startups kennt man solche Organisationsformen, bei Verwaltungen schien dies bis dato undenkbar.

Hier unsere erfolgreiche Bewerbung zum „New Work Science Slam“: Abstract_Schneider_Kraus_Change Kongress Berlin

Von Sensoren, Funknetzen und digitalen Mängelmeldern

2018 stand ganz im Zeichen der DIGITALISIERUNG.

Über die Hochschule Ludwigsburg haben wir im Frühjahr den stadtweiten Prozess des Schadensmelders & Ideen aufgesetzt. Vom Start weg ein Erfolgsmodell. Bürger können nun ganz einfach über´s Smartphone ihre Anregungen und Ideen der Verwaltung zukommen lassen. Nun arbeitet jedes Amt nach einem klar definierten Prozess in eine Datenbank. So sind z.B Auswertungen möglich und wir sehen: Wo sind wir gut und wo haben wir noch „Luft nach oben“.

Schon seit langem machen wir uns Gedanken, wie wir es hinbekommen, über Sensorik unsere Müllbehälter zu überwachen. Ein erster Kontakt über eine finnische Firma lief ins Leere, da insolvent. Dann Tests mit Sensoren aus der Schweiz. Sehr, sehr zäh. Daten nicht einsehbar. Schlechter Algorithmus. Keine Möglichkeit der Einflussnahme. Von den Kosten ganz zu schweigen. Und immer wieder die Nachteile des GSM-/Handy-Netzes für unsere Anwendungen. Zu teuer (für jeden Sensor eine SIM-Karte), zu hoher Energieverbrauch. Die Sensoren hielten max. ein Jahr. Ich wollte schon aufgeben, da hörte ich vom Ulmer LoRaWAN Funknetz. Übertragung kleinster Datenmengen auf weite Distanzen und dadurch kaum Stromverbrauch an den Sensoren. Bingo! Genau das, was wir brauchen.

Also, ab nach Ulm und Druckbetankung in punkto Sensor-Funknetz. Die Jungs und Mädels aus dem Verschwörhaus, das wurde uns schnell klar, sind richtig, richtig gut. Nochmals vielen Dank an dieser Stelle nach Ulm: Ohne Euch hätten wir das nie so schnell hinbekommen!

Jetzt ging es Schlag auf Schlag: Das erste Gateway auf dem Schloßberg wurde in Betrieb genommen und die ersten Testsensoren eingebaut. Da wir auf dem Markt nichts gefunden haben, entwickelten wir auch die Müllsensoren selbst. Großen Dank gebührt unserem Elektromeister Michael Kegreiß und Jerg Theurer von der Fa. mhascaro. Ohne die beiden wären wir nie so schnell, so weit gekommen. Zwischendurch waren wir gemeinsam immer wieder bei den TTN Kollegen im Stuttgarter Hacker Space, um an neue Ideen und Lösungen zu kommen.

Mit einem geeigneten Funknetz sind den Anwendungen nun keine Grenzen mehr gesetzt. Aus diesem Grund ist dieses Netz offen für alle. Ob Bürger, Unternehmen, Gewerbetreibende. Alle können unser Netz kostenlos nutzen und so das „Internet der Dinge“ ganz persönlich zum Leben erwecken.

Auf der Herbstschau wurde unser Netz samt Anwendungen zum ersten Mal der breiten Öffentlichkeit vorgestellt. „Smart Herrenberg“ war das Motto. Wir haben die Herrenberger aufgefordert, uns ihre Ideen für das neue Funknetz auf die Homepage zu posten. Die besten 3 Ideen erhielten von uns ein „Starter Kit“ zum Anwenden und Einbinden ins neue Netz.

Dass unser Netz für das „Internet der Dinge (IoT)“ medial so einschlagen würde, hätten ich nicht gedacht. Zeitungen, SWR 2 und RegioTV berichteten. Wobei der Bericht von RegioTV erst am 2. Januar laufen wird.

Was noch so nebenbei lief…

Das Geschirrmobil wanderte nun vollständig zu uns. Wir haben den Bestellprozess digitalisiert und versuchen in 2019 alle Verleihgegenstände auf einer Plattform abzubilden.

MÄHlanie die Unermüdliche. Regio TV kam eigens angereist um ein Filmchen über sie zu drehen. Mit ihr funktioniert es so gut, dass wir ihr nächstes Jahr ein Geschwisterchen spendieren. Ich würde gerne mehr öffentliche Flächen mit dieser Technik mähen lassen. Hier steckt viel Potential drin. Ich habe aber Sorge wegen Vandalismus, wie der fiese Anschlag auf unsere MÄHlanie beweist.

Im April richtete Herrenberg das landesweite „Netzwerktreffen“ gemeinsam mit der „Allianz für Beteiligung“ aus. Ein echter Kraftakt, waren mein Amt und ich doch gleich mit 2 Themen vertreten. Unser Paradebeispiel für Beteiligung in allen Phasen des Projektes war die Planung und der Bau des Spielplatzes „Zwinger“. Was mich persönlich doch einiges an Überwindung gekostet hat, war die Analyse des Scheiterns der Spielleitplanung, respektive der Verlagerung von Spielflächen. Dies öffentlich zu diskutieren und auch Fehler meinerseits offen anzusprechen, hat mich einiges an Überwindung gekostet. Das Interesse war riesig. Haben doch viele Teilnehmer ähnliche Erfahrungen gemacht oder wollten zumindest aus meinen Erfahrungen lernen. Im Moment wird noch eine Masterarbeit über dieses Thema geschrieben, was zeigt, dass es wichtig ist, offen mit solchen Themen umzugehen.

Was wir „machen“ fällt auf! Immer mal wieder darf ich Vorträge zu unseren Themen halten. Im Coworking Space Herrenberg ergab sich so eine Gelegenheit. Dort habe ich unser „TUG-Modell“ vorgestellt. Tolle Resonanz und Gespräche.

Dann die Einweihung des ersten Stuttgarter LoRaWAN Gateways auf dem Stuttgarter Fernsehturm. Mit ein bisschen Genugtuung und Stolz berichtete ich darüber, dass Herrenberg längst so ein Funknetz betreibt und wir mit Müllsensorik und Winterdienstmonitoring auch wichtige Anwendungen auf die Strasse gebracht haben.

Dann bei der EnBW im InnovationsCampus im Karlsruher Rheinhafen. Interessante Ansätze, aber auch schön zu sehen, dass auch hier nur mit Wasser gekocht wird. Wir sind mir unseren Themen nicht allzuweit vorne, aber wir hinken auch nicht hinterher.

Für das Bundesprogramm „Saubere Luft“ wurden in über 50 Fahrzeuge in unseren Werkstatträumen Sensoren in die Fahrzeuge eingebaut. Während „Mitmacher“ auf ihre Fahrzeuge gewartet haben, gab´s Butterbrezeln und Kaffee und Informationen übers Thema.

Ich LIEBE meine Arbeit

Es war wirklich viel los in 2018. Aber ich hab´s gerne gemacht, sehr gerne. Freiräume nutzen, Prototypen auf die Straße bringen, die Welt aktiv gestalten, mit unterschiedlichsten Menschen zu tun haben und mit ihnen gemeinsam Dinge positiv vorantreiben. Das ist mein Ding, da fühle ich mich wohl.

Zukunft

Wenn ich ein paar Monate in die Zukunft schaue, dann sehe ich für 2019 weitere schöne Dinge auf mich zukommen, die bereits jetzt schon feststehen und auf die sich mein Team und ich jetzt schon sehr freuen.

  • Die neue Freizeitanlage im Längenholz wird endlich kommen. Im Sommer 2019 ist Baubeginn.
  • Die längst überfällige Geschäftsprozess-Optimierung meiner Verwaltung. Hier suchen wir mit der Hochschule nach mehr und neuen digitalen Lösungen für unser Tagesgeschäft.
  • Eine wissenschaftlich begleitete Reifegradprüfung zum Thema „New Work“. Schaffen wir es, den neuen, vielversprechenden Ansatz zu verfestigen und auf weitere Abteilungen meines Amtes auszudehnen?
  • Vielleicht auch unsere neuen Ideen und Ansätze mit ANDEREN teilen. Eine gemeinsame Plattform für neue und innovative Ideen rund um unsere Themen.

Auch 2019 soll unter dem TUG-Motto stehen:

»Wie können wir etwas tun,
was so noch nie gemacht wurde.«

Nicht, weil wir alles Alte über Bord werfen wollen. Was gut läuft und sich bewährt hat, darf und soll selbstverständlich bleiben. Aber überall da, wo etwas klemmt, sich verhakt und man auf der Stelle tritt, soll ohne Denkverbote in alle Richtungen neu gedacht werden. Das soll auch in Zukunft so bleiben.

Klar ist: Wer mit dieser Denke unterwegs ist, muss jederzeit mit Tiefschlägen rechnen. Nicht jeder Klotz kommt zum Fliegen, nur weil ich ihm Federn anklebe. Aber klar ist auch: Wenn ich den Klotz mut- und lustlos betrachte und darüber jammere, wie schwer er doch ist und dass ich den niemals in die Luft bekomme, dann bleibt er auf dem Boden und steht uns allen im Weg rum.

NEUE Denke zulassen, NEUE Wege ausprobieren und sich nicht von Stolpersteinen vom Weg abbringen lassen – und „plötzlich“ kommen schwierige Projekte zum Fliegen, und jeder guckt erstaunt in die Luft.

Danke

Danke an mein gesamtes Team!

Danke, dass Ihr bereit seid, solch einen Chef wie mich auch auszuhalten. Dass Ihr mit mir mitgeht und stets bereit seid, Neues zu wagen.

Danke, dass Ihr im „Grün“, in der Stadtreinigung, im Winterdienst, kurz in unserem kompletten TUG- Kerngeschäft ALLE Tag für Tag Bestes leistet und ich mich zu 100 Prozent auf Euch verlassen kann. Eure hochwertige und zuverlässige Arbeit eröffnet mir erst die Möglichkeit, an den oben beschriebenen Themen auch in 2019 weiter zu arbeiten. Zum Wohle der Stadt, zum Wohle von unserem Team und zum Wohle aller, die von unseren frischen Ideen, ungewohnten Denk- und Arbeitsweisen und neuen Wegen ebenfalls profitieren.

 

Euer Stefan Kraus

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